In Österreich haben wir sogar zwei Parteien, die im Dreieck Politik -- Presse - Justiz eine unheilvolle Rolle spielen.
Die FPÖ liefert den klassischen Delegitimierungsdiskurs („Systemparteien", „Lügenpresse", „gelenkte Justiz"). Politologisch ist das der typische Populismus-Vorwurf: Wer im Fokus von Ermittlungen steht, erklärt die Kontrollinstitutionen selbst für korrumpiert.
Die ÖVP ist aber kein unbeteiligter Beobachter, sondern selbst Teil des Problems, nur mit anderem Muster: nicht lauter Delegitimierungsdiskurs, sondern Institutionenbesetzung und Erosion im Stillen, „schleichende Autokratisierung" ohne formale Brüche. Beispiele:
- Dauerhaftes Justizressort: Seit 2020 (mit kurzer Unterbrechung) besetzte die ÖVP das Justizministerium. Die Partei, gegen die in mehreren Affären ermittelt wurde, kontrollierte personell die Ermittlungsstrukturen.
- Budget-Affäre 2024 und Umwidmungen der Finanzprokuratur nach der Wahlniederlage: aus Sicht der Kritiker Teilfunktionen der Justiz unter exekutive Kontrolle gebracht.
- Medienpolitik: systematische Steuergelder-Inserate und Kampagnen an verbundene Medien (u. a. die ca. 1,6 Mio. Euro an die „Österreich"-Gruppe vor deren Verkauf 2021) plus Beteiligungen via Bund (ORF-Rundfunkbeirat, Public Media) – ein Kooptationsmuster: Presse wird nicht beschimpft, sondern ökonomisch gebunden.
Ergebnis:
Die FPÖ erzählt ein narratives Dreieck, die ÖVP praktiziert strukturelle Nähen, personelle Verzahnungen, Ressortkontrolle und medienpolitische Intervention per Presseförderung und Inseratenbudgets.
Beides beschädigt dieselben Säulen: Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit als Grundpfeiler der Denokratie. Wenn jede der beiden Parteien die Justiz nur so lange als neutral akzeptiert, wie sie sie nicht selbst trifft, kippt die normative Grundlage der Gewaltenteilung: Institutionen werden als parteilich gedeutet, Vertrauen erodiert, und aus Wahlsiegen wird personalisierter Machtanspruch.
Genau das macht die österreichische Demokratie zum Lehrbuchfall für die These, dass Demokratie-Erosion weniger durch Brüche als durch schleichende Neutralisierung ihrer Kontrollinstanzen erfolgt.



